Seelsorgeeinheit St. Märgen - St. PeterDas Klosterdorf St. Märgenwww.klosterdoerfer.deDas Klosterdorf St. PeterErzdiözese Freiburg

Die Geschichte im Sonntagsevangelium (Joh 9,1-41) beginnt damit, dass Jesus unterwegs einen Mann sieht, der seit seiner Geburt blind war und ihn seine Jünger fragen: „Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.“ Die Geschichte, die hier erzählt wird, soll uns aufmerksam machen, wie Gottes Werke erkannt oder verkannt werden.
‚Jesus spuckt auf die Erde; „dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! ... Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.“ Aber diese Heilung ist nicht das Werk Gottes, das hier offenbar werden soll. Jesus sprach von den Werken, also im Plural, während die Heilung ja nur ein einziges Werk Gottes wäre. Nicht das heilende Handeln Jesu an diesem Blindgeborenen macht das Werk Gottes offenbar, sondern die Werke Gottes sollen an diesem Geheilten offenbar werden. An der Art und Weise, wie die Menschen auf diesen Geheilten reagieren, macht etwas von dem offenbar, wie die Menschen auf Gottes Werke reagieren.
Zunächst sind da die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten. Diese sagten: „Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte sehen.“
Dieses Zeugnis des Blindgeborenen genügt den Nachbarn nicht und sie bringen den Mann zu den Pharisäern. Hier beginnt dasselbe Verwirrspiel. „Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch“ – gemeint ist Jesus – „ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.“
Schließlich sucht man die Eltern auf und diese antworteten: „Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. Wie es kommt, dass er jetzt sieht, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen!“ Das sagten aber seine Eltern nur, weil sie sich vor dem Mob fürchteten.
Nochmals mischen sich Pharisäer ein und befragen den Geheilten ein zweites Mal. Dennoch wollen sie diese Heilung durch Jesus einfach nicht glauben. Es darf und soll nicht so sein. Also können sie nicht anders, als den Geheilten selbst als Unglaubwürdigen hinzustellen. Er muss ein Sünder und deshalb unglaubwürdig. „Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.“ Seine Heilung hat das Wirken Gottes nicht offenbar gemacht. Es durfte nicht sein.
Jesus hört, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und sucht den Geheilten auf. Dieser erkennt Jesus aber nicht, weil er ihm seit seiner Waschung im Teich Schiloach noch nicht begegnet war. Jetzt offenbart sich Jesus ihm. Der geheilte Blindgeborene bekennt sich zu Jesus als Herrn und wirft sich vor Jesus nieder. „Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.“
Was bleibt nach dieser Geschichte: Wer ist der Blinde, der nicht versteht? Wer sind die Sehenden, die verstehen? Auch der geheilte Blindgeborene versteht erst zum Schluss, was passiert ist, als sich Jesus selbst ihm vorstellt. Obwohl er sehend geworden war, hatte er Jesus noch nicht gesehen. Und die vermeintlichen Sehenden? Angesichts der Heilung des Blinden durch Jesus halten diese sich wie Kinder die Augen zu. Sie wollen dieser Wahrheit nicht in die Augen sehen. So machen sich die Sehenden selbst zu Blinden und halten sich doch für die Sehenden. „Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.“
Es ist, als ob der Evangelist Johannes schon hier auf eine Erzählung ganz am Ende seines Evangeliums verweist. Dort sagt Jesus zum „ungläubigen“ Thomas: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20, 29) Es ist die alte Weisheit des großen Sokrates, der am Ende seines philosophischen Lebens sagen konnte: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Oder wie der Vater, dessen Kind Jesus heilt: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ (Mk 9.24) Glaube heißt immer, einzustimmen, dass man kein Sehender, also kein Wissender ist. Christus ist das Licht, in dem wir unser Licht erkennen (vgl. Ps 36,10). Der, der im Glauben seinen eigenen Unglauben eingesteht, und erkennt, dass er auf Jesus Licht angewiesen ist, kann den Weg des Glaubens wagen. Gott kann an ihm wirken und seine Werke vollbringen.
In der jetzigen Situation, in die uns der Coronavirus gezwungen hat, gilt es in die Wahrheit einzustimmen und einzuwilligen, dass wir Blinde sind und im Moment nicht wissen, wohin die Reise geht. Gerade diese Unwissenheit, diese Blindheit und Dunkelheit auszuhalten, und trotzdem darauf zu vertrauen, dass Gott einen guten Weg uns führen wird, seine Werke vollbringt, bedeutet Glauben. „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“
(Pfr. Klemens Armbruster)

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